Die Baukunst im Kapitalismus ? Berlin w?chst zur Metropole

Noch um 1800 war Berlin eine ruhige Residenzstadt mit etwa 150.000 Einwohnern. Um 1900 lebten in der Hauptstadt des deutschen Kaiserreiches schon fast zwei Millionen Menschen. Diskussionsbeitrag von Eric Mozanowski, Immobilienfachmann aus Stuttgart.

Die Baukunst im Kapitalismus ? Berlin w?chst zur Metropole, Diskussionsbeitrag von Eric Mozanowski
Die Baukunst im Kapitalismus ? Berlin w?chst zur Metropole, Diskussionsbeitrag von Eric Mozanowski

Im Rahmen von Seminarveranstaltung mit Eric Mozanowski, Immobilienexperte und Autor des Schriftwerks ?Immobilien im Wandel der Zeit? und Veranstalter dieser Vortragsreihe mit Diskussionspotential. Architekten, Bauherren, Stadtplaner, Stadtentwickler, Immobilienmakler, Bautr?ger sowie Verantwortliche aus dem Bausektor sind der Einladung zum Erfahrungsaustausch Eric Mozanowskis nach Berlin gefolgt. ?Das Thema ?Baukunst im Kapitalismus? ist nicht nur geschichtlich und bautechnisch spannend, sondern pr?gt im Besonderen die gesellschaftliche Entwicklung. Baukunst im Kapitalismus f?hrt zur?ck auf die Gr?nderjahre. Betrachtet werden sollte, wie sich dadurch die Stadt von einer ruhigen Residenzstadt in eine Metropole und die Gesellschaft entwickelt hat und bis heute eine st?ndig weitere Entwicklung vollzieht?, so Immobilienexperte Eric Mozanwoski.

Die Stadtfl?che Berlins hatte sich verf?nffacht

Um 1890 gab es bereits 26 deutsche St?dte mit mehr als 100.000 Einwohnern. In diesem sprunghaften Wachstum der Gro?st?dte zeigte sich der m?chtige ?konomische Aufschwung im Zeitalter des Kapitalismus.

Produktionszweig und Industrie, Handarbeit abgel?st durch Maschinen

Stadtwachstum durch Einsatz von neuer Technologie und Produktionsabl?ufe. Der wichtigste Produktionszweig war nicht mehr die Landwirtschaft, sondern die Industrie. Maschinen l?sten die Handarbeit ab, in den St?dten entstanden Fabriken. ?Die besitzlosen Arbeiter mussten ihre Arbeitskraft den Fabrikherren verkaufen. Zu Hunderten und Tausenden zogen sie, weil sie auf dem Land existenzlos geworden waren, in die St?dte, in die N?he der Fabriken. Aufzeichnungen erw?hnen, dass im Jahre 1816 die Verteilung noch von 24 Millionen Deutschen auf 18 Millionen auf dem Lande und nur sechs Millionen in den St?dten betrug. Und nur knapp hundert Jahre sp?ter betrug die Einwohnerzahl Deutschlands bereits 68 Millionen. In den D?rfern wohnten 26 Millionen, w?hrend die Stadtbev?lkerung auf 42 Millionen angewachsen war, sich also versiebenfacht hatte?, so Eric Mozanowski. Damit lebte jeder f?nfte Deutsche 1910 in einer Gro?stadt.

Ver?nderungen des Stadtbilds – Was ben?tigten diese Massen von Stadteinwohnern?

?Klar war den Verantwortlichen: Neue Wohnviertel mussten her. Neue Ideen bei der Planung und Umsetzung waren eine Folge. Eine dem Umfang nach bis dahin eigenartige Baut?tigkeit hatte es laut unterschiedlichen Aufzeichnungen damals bis jetzt noch nicht gegeben?, teilt Eric Mozanowski die geschichtlichen Erfahrungen den interessierten Teilnehmern mit. Durch den st?ndig wachsenden Bedarf an Wohnungen stiegen die Grundst?cks- und Mietpreise und damit die Profite der privaten Boden- und Hausbesitzer.

Eine Freude f?r die ehemaligen Landbewohner und nun neuen Stadtbewohner war die Wohnungssituation freilich wohl eher nicht. Denn dicht zusammengedr?ngt, mussten die Arbeiter mit ihren Familien in lichtlosen, vielgeschossigen Mietskasernen leben. Staatliche Bauordnung war nicht vorhanden oder unzureichend. Am Beispiel eines Berliner Hinterhofs erl?utert Eric Mozanowski, von welcher Gr??enordnung gesprochen wird: ?Die Gr??e eines Berliner Hinterhofs richtete sich nach dem Wenderadius der Feuerspritze, der 5,5 x 5,5?m betrug. Die Angeh?rigen der herrschenden Klasse, die Fabrikherren, Bankiers, Haus- und Grundst?cksbesitzer, hingegen zogen in die Vororte und bewohnten dort ihre Villen mit gro?en G?rten.?

Architektonische Bild dieser St?dte uneinheitlich

Die verschiedenen Stilrichtungen l?sten w?hrend des 19. Jahrhunderts einander ab oder wurden sogar gleichzeitig von ein und demselben Architekten vertreten. Das bedeutete, dass das B?rgertum, das in der Gotik und Renaissance so gro?artige selbstst?ndige bauliche Leistungen vollbracht hatte, seit dem Ende des 18.?Jahrhunderts immer mehr auf die Stile der Vergangenheit zur?ckgriff. Von der griechischen Antike ?ber die Gotik, die italienische und deutsche Renaissance bis hin zum Barock wurden alle historischen Bauformen nachgeahmt.

In der zweiten H?lfte des 18.?Jahrhunderts war das ?konomisch erstarkende B?rgertum Tr?ger der klassischen deutschen Dichtung und Philosophie. Es suchte nach einem neuen architektonischen Ideal, um es der niedergehenden Kunst des Absolutismus entgegenzustellen. Der Traum der b?rgerlichen Aufkl?rung von einem demokratischen Staat und die Schriften des Arch?ologen Johann Joachim Winckelmann (1717 ? 1768) f?hrten zur Wiederverwendung der architektonischen Formen der griechischen Sklavenhalterdemokratie zum Klassizismus. Eric Mozanowski f?hrt aus, dass im Klassizismus sich ?hnlich wie in der Renaissance, der b?rgerliche Individualismus widerspiegelt. Dies kann beispielsweise an den beiden ?bereinander angeordneten Dreiecksgiebeln des Berliner Schauspielhauses ebenso zum Ausdruck erlebt werden, wie bei den isolierten Plastiken der Fassade der M?nchener Glyptothek.

Fazit: Klassizismus heute noch sichtbar ? Baustile verleihen Metropolen Gesicht und Geschichte

?In Metropolen wie Berlin, M?nchen und Karlsruhe finden sich viele klassischen Bauten und auch die besten Leistungen des klassizistischen St?dtebaus. Der Klassizismus wurde in Deutschland von 1770 bis 1830 der vorherrschende Baustil. Er fand besonders im Bau zahlreicher Museen und Theater Verwendung?, so bekennender Denkmalschutzexperte Eric Mozanowski. Weitere Beispiele wurden hierzu genannt und diskutiert.

V.i.S.d.P.:

Eric Mozanowski

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