Eric Mozanowski : ?Die Antike als Epoche der Technikgeschichte?

Handwerk in der Antike, Entstehung, Entwicklung und Parallelen zur heutigen Zeit ? Qualit?t, Spezialisierung und technischer Fortschritt formen neue Berufsbezeichnungen ? Diskussionsbeitrag von Eric Mozanowski, Immobilienexperte und Autor f?r Denkmalschutz ? Stuttgart, Berlin, Leipzig, Dresden

Einigkeit besteht dar?ber, dass Produktion, Verkehr und Kommunikation in der modernen Industriegesellschaft grundlegend von der Technik und der technischen Innovation voran getrieben werden. Datenverarbeitung und die gro?en technischen Systeme, wie die Versorgungsnetze f?r Wasser, Energie und Informationen, gewinnen immer weiter an Bedeutung. Wie begann diese Entwicklung? Immobilienexperte Eric Mozanowski: ?Verst?ndnis f?r das Heute setzt den Blick in die Vergangenheit voraus. Wollen wir in der Zukunft weiteren Fortschritt, muss die Vergangenheit bekannt sein und verstanden werden. Durch den technischen Wandel in der Gegenwart hat die Geschichtswissenschaft sich st?rker der Technikgeschichte zugewandt. Die Einsicht hat sich durchgesetzt, dass auch die Technik der vormodernen Agrargesellschaft ein wichtiges Thema historischer Forschung darstellt?, erl?utert der Stuttgarter Immobilienexperte und Autor Eric Mozanowski seine Erfahrungen und den Diskussionsstand. Technikgeschichte ist interessant, weil diese sprach- und kultur?bergreifend erforscht werden kann und f?r Ausgrabungen reichen Ansatz bietet.

Ist die industrielle Revolution als eine tiefe Z?sur in der Menschheitsgeschichte zu begreifen?

Eric Mozanowski : ?Die Antike als Epoche der Technikgeschichte?
Eric Mozanowski : ?Die Antike als Epoche der Technikgeschichte?

Die vorangegangenen Gesellschaften sind als vorindustrielle Agrargesellschaften charakterisiert. Eric Mozanowski geht in regelm??igen Diskussionsbeitr?gen den Fragen rund um Immobilien, Sanierung, Denkmalschutz und den technischen Erneuerungen nach. Als Autor des Fachwerkes ?Investieren in Denkmale? hat er einen Beitrag zur Geschichte rund um den Denkmalschutz, Sanierung und Finanzierung geleistet und zusammengefasst. In der Diskussion geht es um die M?glichkeit, ob an der Existenz technischer Systeme Orientierung zu finden ist. Wie die geschichtliche Funde beweisen, weisen die in einer Epoche verwendeten Werkzeuge oder Ger?te und die in der Produktion angewendeten Verfahren existieren nicht unabh?ngig voneinander, sondern wechselseitige Beziehungen auf.

Eric Mozanowski erl?utert, dass beispielsweise ein Handwerker in der Vergangenheit, der Werkzeuge f?r ein anderes Handwerk hergestellt hat, wie etwa der Tischler das Weberschiffchen, das in der Textilherstellung verwendet wird, miteinander existierten. Damit beginnt die Arbeitsteilung.

Arbeitsteilung in der Antike ? Technischen Entwicklungen in unterschiedlichen Epochen

Selbst die Landwirtschaft lieferte nach Platon nicht nur Lebensmittel f?r die Bev?lkerung, sondern auch Arbeitstiere, wie etwa f?r die Fuhrleute. ?Somit ist die Technik einer Epoche als ein Ensemble von Werkzeugen, Ger?ten, Installationen und Verfahren dargestellt, das als technisches System aufgefasst werden kann. Als grundlegendes Kennzeichen der antiken Technik muss die Dominanz der Landwirtschaft genannt werden. Die Produktivit?t war so gering, dass etwa 80 % der Menschen auf dem Lande arbeiten mussten, um f?r sich und die ?brige Bev?lkerung Nahrungsmittel und deren Agrarerzeugnisse zu produzieren. Heute hat sich das gewandelt?, f?hrt Eric Mozanowski an weiteren Beispielen aus. Die Technikgeschichte beginnt bei der Nahrung und versetze die Gesellschaft ?berhaupt erst in die M?glichkeit St?dte zu bilden. Denn nur die erh?hte Produktivit?t der Landwirtschaft durch Technik f?hrte zu dieser Entwicklung.

Antike: Stadtentwicklung ? Wirtschaftlichkeit ? Wachstum Sesshaftigkeit

Antike: Stadtentwicklung ? Wirtschaftlichkeit ? Wachstum Sesshaftigkeit
Antike: Stadtentwicklung ? Wirtschaftlichkeit ? Wachstum Sesshaftigkeit

Eric Mozanowski m?chte den Blick auf das antike Handwerkszeug lenken. Der Aufstieg und das Wachstum der St?dte f?hrten zu einer Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land. Damit verbunden war die Herausbildung einer st?dtischen Wirtschaft und damit zur Entwicklung des Handwerks. Die Bev?lkerung der St?dte war f?r die Versorgung mit Nahrungsmitteln auf die Landwirtschaft angewiesen. Aber daneben bestand ein Bedarf an Gebrauchsg?tern, die prim?r vom lokalen Handwerk gedeckt wurden. W?hrend viele der bei Homer erw?hnten Handwerker noch wanderten und bei Bedarf in einer Gemeinde oder im Haus eines Adligen arbeiteten, verf?gte der Handwerker in der Stadt ?ber eine feste Werkstatt.

Handwerk: technischer Fortschritt ? Spezialisierung beim Werkzeug

Die Herstellung von Handwerkserzeugnissen erforderte Erfahrung und ein besonderes Wissen der Handwerker, wie bspw. in der Metallurgie und in der Keramikherstellung. Der Stuttgarter Immobilienexperte Eric Mozanowski gibt zu bedenken, dass in beiden Herstellungsverfahren mit hohen Temperaturen umgegangen werden musste. Gegenst?nde aus Metall oder Qualit?tskeramik konnten im b?uerlichen oder st?dtischen Haushalt nicht mehr hergestellt werden. Sowohl der Schmied als auch der T?pfer brauchten bei ihrer Arbeit spezielle Werkzeuge, und die Werkstatt musste mit ?fen f?r das Erhitzen von Metall oder das Brennen von Tongef??en ausgestattet sein. Hier ist der Ursprung der Fabrik (lat. fabricare – anfertigen) zu sehen. Weiterhin gab es Bereiche, f?r die weiterhin die Produktion innerhalb der Familie charakteristisch blieb. Eric Mozanowski nennt hierzu die Textilherstellung, die weiterhin lange Zeit in den H?nden der Frauen lag. ?Die Wolle wurde gesponnen und zu Tuch verwoben. Aber auch hier l?sst sich anhand der Geschichte zeigen, dass in den St?dten das Handwerk gegen?ber der Produktion innerhalb der Familie sich durchsetzt. Das Textilgewerbe in Pompeji ist eines der ?ltesten Beispiele daf?r?, so Eric Mozanwoski.

Vor Ort: Abbau ? Verarbeitung – Produktion in der Antike

Neben dem st?dtischen Handwerk gab es auch Produktionsst?tten auf dem Land. Gerade die T?pfereien und Ziegeleien befanden sich oftmals in l?ndlichen Regionen. In der N?he der Tonvorkommen siedelten sich in der Antike die T?pfereien und Ziegeleien an, der Rohstoff vor Ort verarbeitet und danach als fertiges Produkt transportiert zum Eisatzort.

Neue Berufsbezeichnungen im Handwerk durch die Spezialisierung

Neue Berufsbezeichnungen im Handwerk durch die Spezialisierung
Neue Berufsbezeichnungen im Handwerk durch die Spezialisierung

In gr??eren St?dten, in denen es eine entsprechende Nachfrage nach Handwerkserzeugnissen gab, kam es zu einer starken Spezialisierung im Handwerk. Die Spezialisierung fand in einer gro?en Zahl von Berufsbezeichnungen sowohl w?hrend der Zeit der Antike in Griechenland als auch in Rom ihren Ausdruck. Die Spezialisierung war aus Sicht der Antike die Tatsache, dass ein Handwerker, der sich auf ein bestimmtes Erzeugnis spezialisiert, aufgrund seiner Erfahrung und Routine dieses Erzeugnis besser und schneller herstellen konnte, damit insgesamt effizienter arbeitete. Eric Mozanowski weist darauf hin, dass sich dieses Merkmal bis heute als Faden durch das Handwerk und die Wirtschaft zieht.

Direkt Produktion ? Qualit?t – Handel

Viele Werkst?tten waren klein, und wenige Menschen arbeiteten in einer solchen Werkstatt. Mit einer innerhalb einer Stadt gelegenen Werkstatt war ein Laden verbunden. Die Handwerker in der Antike produzierten direkt f?r den Konsumenten, nicht f?r den Handel und einen anonymen Markt. Eric Mozanowski f?hrt auf, dass die geschichtlichen Aufzeichnungen best?tigen, dass es gleichzeitig auch eine Reihe von Erzeugnissen von hoher Qualit?t gab. Diese hochwertigen Erzeugnisse wurden von H?ndlern auf fernen M?rkten verkauft. Innerhalb einer Werkstatt konnte es durchaus zu einer Arbeitsteilung kommen, wie zwischen dem Handwerker und seinen Gehilfen. In ?berregional bedeutenden Zentren eines Handwerks dominierten nicht immer gro?e Werkst?tten, sondern es existierte eine Vielzahl kleiner Werkst?tten. Handwerker, die in Werkstattkomplexen durchaus selbstst?ndig t?tig waren, kooperierten bei bestimmten Arbeitsschritten. So haben viele T?pfer in S?dgallien ihre Tonware in gro?en Brenn?fen gemeinsam gebrannt und auf diese Weise eine gr??ere Effizienz erreicht.

Eine rege Diskussion mit Eric Mozanowski schloss sich der Veranstaltung an. Dem vielfach bekundeten Wunsch nach weiteren geschichtlichen Ausfl?gen in die Geschichte ?Das antike Handwerk und die Parallelen zur heutigen Zeit? wurde wohlwollend aufgenommen und findet Ber?cksichtigung.